"Adressat unbekannt",

"Adressat unbekannt", 1938 im New Yorker Story Magazin erstmals veröffentlicht, gilt als literarisches Meisterwerk von beklemmender Aktualität. Gestaltet als Briefwechsel zwischen einem Deutschen und einem amerikanischen Juden in den Monaten um Hitlers Machtergreifung, führt dieser kurze Roman in bewegender Schlichtheit die Schrecken des NS-Terrors vor Augen.Das Buch sammelt die Briefe zweier Freunde - Max Eisenstein in San Francisco und Martin Schulse in München - im Zeitraum November 1932 bis März 1932. Martin ist erst kürzlich von Kalifornien wieder in seine Heimatland Deutschland zurückgekehrt. Die beiden Freunde haben in den USA gemeinsam eine Kunstgalerie geführt; nun kümmert sich Max allein um das Geschäft.

Die beiden teilen folgendes Geheimnis: Martin hatte eine leidenschaftliche Beziehung zu Max' Schwester Griselle, die er aus vermeintlicher Rücksicht auf seine Familie beendet hat. Im Laufe weniger Monate ist Martin in seinen Briefen nicht wiederzuerkennen: Er tritt in die NSDAP ein und verbittet sich jeden Kontakt mit seinem jüdischen Freund. Max verzweifelt, er kann diesen Wandel nicht verstehen. Trotzdem wendet er sich nochmals an Martin, als er vor Sorge um seine inzwischen in Berlin lebende Schwester fast verrückt wird.

Einen Brief an sie bekommt er mit dem Vermerk "Adressat unbekannt" retourniert. Inständig bittet er seinen alten Freund, Griselle zu suchen und ihr die Ausreise aus Deutschland zu ermöglichen. Er erhält eine erschütternde und zugleich ernüchternde Antwort: Griselle war von sich aus nach München geflüchtet, doch Martin verweigerte ihr seinen Schutz, mehr noch: Er lieferte sie förmlich der SS aus.

Nun schreibt Max regelmäßig an Martin. Augenfällig für jeden Zensor deuten diese Briefe auf Kunstschmuggel, illegale Geschäfte mit Juden und Geldtransfer hin. Anfang 1934 antwortet Martin plötzlich. Er bittet um Mitleid, diese Briefe brächten ihn in furchtbaren Verdacht, ihm drohe Haft und Parteiausschluss, seine Familie sei gefährdet. Max schreibt noch zwei weitere konspirative Briefe, den dritten erhält er mit dem Vermerk zurück "Adressat unbekannt".