Zeitzeugengespräch im Peenebunker | Adolf Burger (Die Fälscher)   

 

Am 24. April erzählte Adolf Burger (89 Jahre) Wolgaster Schülern und älteren Interessierten von seinen grausamen Erlebnissen in verschiedenen Konzentrationslagern und wie er der Selektion entkam. Das Zeitzeugengespräch bildete den Auftakt für ähnliche Veranstaltungen, die in einem neuen Projekt, der „Geschichtswerkstatt“ demnächst im Peenebunker angeboten wird.

Burgers Kompetenz als Buchdrucker nutzten die Nazis für die Produktion von Briefmarken, Urkunden und Falschgeld. Das Falschgeld, vor allem britische Pfundnoten in einer Qualität, dass selbst Spezialisten in der Schweiz sie nicht von echten Pfundnoten unterscheiden konnten, wurde von der SS zur Goldbeschaffung auf den internationalen Märkten, zur Destabilisierung der englischen Währung und zur Bezahlung des internationalen Agentennetzes verwendet.

Burger dokumentierte seine Erlebnisse umfangreich; am bekanntesten wurde sein Buch „Des Teufels Werkstatt“, das auch die Grundlage für den aktuellen Film „Die Fälscher“ bildet. Dieser Film lief erfolgreich auf der Berlinale 2007 und wird zur Zeit in 40 Ländern gezeigt.

Unsere Veranstaltung wurde angeregt durch die Rosa-Luxemburg-Stiftung (Berlin). Finanziell unterstützt wurde das Projekt durch Mittel der Landeszentrale für Politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern und des Fördervereins „Peenebunker“ e.V. Der Vortrag in Wolgast steht in Zusammenhang mit einem Kooperationsprojekt mit dem Präventionsrat der Stadt Anklam, der am 26.04. ein weiteres Gespräch mit Adolf Burger vor Anklamer Schülern veranstaltete.

 

Weitere Informationen zu Adolf Burger …

Adolf Burger (Jahrgang 1917) wurde einen Tag vor seinem 25. Geburtstag gemeinsam mit seiner Frau verhaftet und mit vielen anderen jüdischen Gefangenen nach Auschwitz deportiert. Sein Leben ist geprägt von vielen Schicksalsschlägen: Seine Frau wurde in Birkenau ermordet,  Mutter und Vater überlebten die Inhaftierungen in Ravensbrück und Sachsenhausen nicht.

Er selbst, bei einer Selektion ebenfalls für den Tod im Gas vorgesehen, entging diesem Schicksal durch glückliche Umstände.

Nach 18 Monaten in Auschwitz wurde Burger aufgrund seiner Ausbildung als Buchdrucker und Setzer in das Konzentrationslager Sachsenhausen bei Berlin verlegt. Auf Anforderung der SS wurde er zu einer Geldfälscherkolonne eingeteilt, die ausländische Währungen, Pässe und Briefmarken fälschen musste. Das Falschgeld, vor allem britische Pfundnoten in einer Qualität, dass selbst Spezialisten in der Schweiz sie nicht von echten Pfundnoten unterscheiden konnten, wurde von der SS zur Goldbeschaffung auf den internationalen Märkten, zur Destabilisierung der englischen Währung und zur Bezahlung des internationalen Agentennetzes verwendet. Eine massenhafte Produktion von falschen amerikanischen Dollars kam nicht mehr zustande, weil es den zum Fälschen gezwungenen jüdischen Typographen, Malern, Setzern und Bankbeamten eine gewisse Zeit gelang, SS-Sturmbannführer Bernhard Krüger mit »erheblichen technischen Schwierigkeiten« hinzuhalten. Schließlich musste das »Unternehmen Bernhard«, der Vorname Krügers wurde als Tarnname für die besondere Abteilung in Sachsenhausen benutzt, dank des Vormarsches der Roten Armee und dem nahenden Kriegsende immer weiter nach Süden ausweichen.

Die 144 Häftlinge der Blöcke 18 und 19, die stets völlig isoliert von allen anderen Häftlingen im KZ Sachsenhausen ihrer geheimen Tätigkeit nachgehen mussten, hatten die feste Gewissheit, dass die Nazis am Ende alle Zeugen dieses Unternehmens beseitigen würden. Mit dieser Gewissheit wurden sie in den Wirren des untergehenden Nazi-Reiches mit all der technischen Ausrüstung ins KZ Mauthausen verlegt. Ihre letzte Station war das KZ Ebensee, wo 135 von ihnen zusammen mit etwa 12 000 anderen KZ-Häftlingen am 5. Mai 1945 die Befreiung durch amerikanische Truppen erlebten. Millionen des gefälschten Geldes wurden von den Nazis im Toplitzsee im Salzkammergut versenkt.

Adolf Burger kehrte nach Kriegsende heim ins slowakische Poprad, wo er von der Ermordung seiner Angehörigen erfuhr. Heute lebt Adolf Burger in Prag. Er ist einer der letzten Zeitzeugen dieser makabersten Geldfälscheraktion. Seine Vortragsreisen begreift er als seinen Beitrag gegen das Vergessen und Verdrängen des dunkelsten Kapitels deutscher Geschichte.